Etwa zu der Zeit, als sich in Europa Neandertaler herumtrieben und der moderne Mensch im warmen Afrika gerade gelernt hatte Keilmesser, Schaber und Spitzen herzustellen, trennten sich die Vorfahren der Eisbären von ihren braunen Vettern und wanderten nach Norden. Sie passten sich an den kalten Lebensraum an und erschlossen neue Futterquellen, um der Konkurrenz durch andere Arten auszuweichen. Die Biologin Charlotte Lindqvist hatte 2004 auf der Insel Spitzbergen ein gut erhaltenes Kiefer und Eckzähne eines Eisbären gefunden, der vor etwa 110.000 bis 130.000 Jahren gelebt hatte. Ihr Team an der University at Buffalo bohrte den Knochen an und konnte DNA aus den Mitochondrien des Bären gewinnen. Sie war gut erhalten und die WissenschaftlerInnen entschlüsselten sie, verglichen sie mit dem Erbgut von heute in Nordamerika lebenden Eis- und Braunbären und erstellten einen Stammbaum. Die Eisbären haben sich demnach vor etwa 150.000 Jahren aus den Braunbären entwickelt. Ihre nächsten Verwandten leben auf den Inseln Admiralty, Baranof und Chichagof im Südosten Alaskas und tragen braunes Fell. Die Bären mussten vor der Eiszeit schon einmal eine Klimaerwärmung überstehen, die sie vermutlich in Spitzbergen aussaßen, erklärt Charlotte Lindqvist. Die Forscherin ist allerdings skeptisch, ob die Art mit der gegenwärtigen Klimaänderung zurechtkommt: „Heute schreitet die Erwärmung viel schneller voran, zudem sind die Eisbären hoch spezialisierte Tiere, die sich nur von einigen wenigen Robbenarten ernähren, was ihre Überlebenschance zusätzlich schmälert.“ Außerdem dringen bereits Grizzlys in den Lebensraum der weißen Räuber vor.
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