Atmen ist vielleicht Nebensache Wozu haben Fische von der Evolution Kiemen bekommen? „Zum Atmen", beschert zwar sicherlich einen Einser in Biologie, aber vielleicht ist die Antwort trotzdem falsch. ForscherInnen der Brandon Universität in Manitoba (Kanada) meinen, dass die Kiemen den Fischen zunächst halfen, ihren Ionenhaushalt aufrecht zu halten, erst später lernten sie Sauerstoff aufzunehmen. Damit sie nicht schrumpeln, wie unsere Handflächen in der Badewanne, müssen Fische ständig Natrium, Kalium und andere Ionen aufnehmen oder ins Wasser abgeben. Die Larven schaffen das durch die Haut, urzeitliche Fische hatten dafür einfache, kiemenähnliche Strukturen. Wenn der Salzgehalt des Wassers sich aber rasch ändert, was im Süßwasser oft geschieht, brauchen die Fische aber ein effizienteres System. Sie entwickelten große, komplizierte Kiemen, so Peter Rombough, Biologe aus Manitoba. Die ForscherInnen untersuchten Regenbogenforellen, sie wollten wissen ob ihre Kiemen, wenn sie sich bilden, zuerst Ionen oder Sauerstoff austauschen können. Das sollte einen Hinweis liefern, was ihre ursprüngliche Funktion war. Sie steckten Forellenlarven in kleine Behältnisse mit zwei Kammern, eine für den Kopf, eine für den Schwanz. In beiden maßen sie Ionen- und Sauerstoffkonzentrationen. Bei fünfzehn Tage alten Larven tauschten die Kiemen das erste Mal mehr Ionen aus als der Schwanz, dasselbe passierte mit Sauerstoff erst zehn Tage danach. Das zeigt, so schlossen die ForscherInnen, dass die Kiemen entstanden um Ionen zu transportieren, atmen lernten sie erst später.
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